Ameide 4 (Detmold): Unterschied zwischen den Versionen
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1871–1873 erbautes Gesellschaftshaus des Vereins Ressource, ehem. Quartier-Nr. D 86, dann Bismarckstraße 4. | "Haus Ameide", 1871–1873 erbautes Gesellschaftshaus des Vereins Ressource, ehem. Quartier-Nr. D 86, dann Bismarckstraße 4. Seit 1953 beherbergt das Gebäude das [https://lippisches-landesmuseum.de Lippische Landesmuseum Detmold], das in den folgenden Jahren um mehrere translozierten Fachwerkbauten und das Bestandsgebäude der Mittelmühle erweitert wurde. | ||
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Die Gesellschaft Ressource wurde 1825 gegründet und 1831 als förmlicher Verein eingetragen.<ref>{{FinkJahre2000}}, S. 9–12.</ref> Vereinslokale waren zunächst der Gastwirt Seiff in der [[Neustadt 12 (Detmold)|Neustadt 12]], ab 1827 der Gasthof zur Stadt Frankfurt in der [[Lange Straße 65 (Detmold)|Langen Straße 65]]. 1831 erfolgte der Umzug in den Neubau des [[Marktplatz 5 (Detmold)|Rathauses]]. 40 Jahre später entschloss sich die Gesellschaft Ressource zum Bau eines eigenen Gesellschaftshauses. Dazu schloss sie 1872 mit der Fürstlichen Rentkammer einen Erbpachtvertrag über das Grundstück in der Mühlenwiese an der Ameide<ref>LAV NRW OWL, L 83 B Nr. 116.</ref> und kündigte die Räume im Rathaus zu Michaelis (29. Sept.) 1873. | |||
Die Gesellschaft Ressource wurde 1825 gegründet und 1831 als förmlicher Verein eingetragen.<ref>{{FinkJahre2000}}, S. 9–12.</ref> Vereinslokale waren zunächst der Gastwirt Seiff in der [[Neustadt 12 (Detmold)|Neustadt]], ab 1827 der Gasthof zur Stadt Frankfurt in der [[Lange Straße 65 (Detmold)|Langen Straße 65]]. 1831 erfolgte der Umzug in den Neubau des [[Marktplatz 5 (Detmold)|Rathauses]]. 40 Jahre später entschloss sich die | |||
Am 25. Juli 1872 Grundsteinlegung, am 21. Dezember 1872 Richtfest und 1. Oktober 1873 Einweihung des neuen Hauses.<ref>{{KirchhofRessource1954}}.</ref> | Am 25. Juli 1872 Grundsteinlegung, am 21. Dezember 1872 Richtfest und 1. Oktober 1873 Einweihung des neuen Hauses.<ref>{{KirchhofRessource1954}}.</ref> | ||
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Der erhebliche Mitgliederschwund zu Beginn der NS-Diktatur legte den Verkauf des Hauses nahe, das die Wehrmacht 1935 als Kasino für 130.000 RM erwarb.<ref>LAV NRW OWL, L 80.20 Nr. 394.</ref> Der Verein erwarb stattdessen das Haus [[Allee 11 (Detmold)|Allee 11]] für 45.000 RM.<ref>{{FinkJahre2000}}, S. 96–100.</ref> | Der erhebliche Mitgliederschwund zu Beginn der NS-Diktatur legte den Verkauf des Hauses nahe, das die Wehrmacht 1935 als Kasino für 130.000 RM erwarb.<ref>LAV NRW OWL, L 80.20 Nr. 394.</ref> Der Verein erwarb stattdessen das Haus [[Allee 11 (Detmold)|Allee 11]] für 45.000 RM.<ref>{{FinkJahre2000}}, S. 96–100.</ref> | ||
Seit 1953 Sitz des Lippischen Landesmuseums | Seit 1953 Sitz des [https://lippisches-landesmuseum.de Lippischen Landesmuseums], <ref>LAV NRW Abteilung Rheinland, NW 0094, Nr. 2635: Zustimmung zur Veräußerung des bundeseigenen Grundstücks "Haus Ameide" in Detmold, 1957.</ref> <ref>LAV NRW Abteilung Rheinland, NW 0060, Nr. 242: Neubau eines Lippischen Landesmuseums in Detmold, 1950–1955.</ref>. Ab 1953 wurde das Museum um mehrere translozierte historische Fachwerkbauten zu einer "Traditionsinsel" am Detmolder Burggraben erweitert: Kornhaus der Domäne Schieder, 1587 (d), Abbau 1955, Aufbau 1955-58; Zehntscheune des Klosters Falkenhagen aus Sabbenhausen, 1555 (i), Abbau 1953, Aufbau 1960-62; Speicher vom [[Lakeweg 9 (Belle)|Lakehof]] bei Belle, 1780/81 (i), Abbau 1976, Aufbau 1977; Backhaus aus Wülfer-Bexten, 1742, Aufbau 1972. 1973 wurde die frühere Mittelmühle in den Museumskomplex einbezogen und für die Abteilung Naturkunde ("Naturkundehaus") umgebaut. Zwischen dem Haus Ameide und der Zehntscheune aus Sabbenhausen wurde 1962 ein moderner, eingeschossiger Verbindungsbau mit Eingangsbereich, Vortragssaal und Ausstellungsräumen errichtet; dieser Bau wurde 1999 nach einem Architekturwettbewerb durch einen großen Neubau mit Eingangsbereich und ober- und unterirdischen Ausstellungsräumen an einem "Museumsgraben" ersetzt (Schuster & Schuster Architekten, Düsseldorf). | ||
1973 wurde das | 1973 wurde das Gebäude Aameide 4 in die Baudenkmalliste des Landeskonservators aufgenommen und am 17.5.1985 in die Denkmalliste der Stadt Detmold, Nr. A 096. Auch die translozierten Fachwerkbauten des Lippischen Landesmuseums und die frühere Mittelmühle wurden am 17.5.1985 in die Denkmalliste der Stadt Detmold eingetragen: "Spieker" ([[Ameide 8 (Detmold)|Ameide 8]]), Denkmal-Nr. 90; Kornhaus, Denkmal-Nr. 91; Zehntscheune aus Sabbenhausen, Denkmal-Nr. 92, Mittelmühle, Denkmal-Nr. 93. | ||
==Gebäude== | ==Gebäude== | ||
'''Haus Ameide:''' Dreigeschossiger, repräsentativer villenartiger Bau von 1872 (Wiederaufbau nach Brand 1883), das obere Geschoss jedoch nur als Mezzanin ausgebildet. Flach geneigtes Walmdach mit Schieferdeckung. Haupteingang im Süden mit einem Vordach auf vier kannelierten Pfeilern. Die Fassade hier dreiachsig, die Mittelachse als Risalit mit flachem Dreieckgiebel. | |||
Die West- und Ostseite mit sieben Fensterachsen, davon je drei als Mittelrisalit, im Erdgeschoss Putzquaderung, im Obergeschoss die Risalite mit kannelierten Pilastern mit korinthischen Kapitellen, die seitlichen Fenster im Osten mit flachen Dreieckgiebeln, im Westen mit geradem Gebälk überdeckt. Fensteröffnungen der Westseite verändert. Die Nordseite schmuckloser ohne Risalit, drei Fensterachsen, im Obergeschoss mit flachen Dreieckgiebeln. | |||
Das Gebäude beherbergt seit 1953 die Abteilung Ur- und Frühgeschichte und die Verwaltung des Lippischen Landesmuseums. | |||
'''Erweiterungsbauten des Lippischen Landesmuseums ab 1953:''' | |||
Für die Erweiterung des Lippischen Landesmuseums plante der damalige Abteilungsleiter für die kulturgeschichtlichen Sammlungen, Wilhelm Hansen (1911-1986, Museumsdirektor 1958-1976) die Wiedererrichtung von mehreren historisch bedeutsamen Fachwerkbauten aus Lippe. Mit Unterstützung von Landeskonservator Karl Vollpracht wählte Hansen die Zehntscheune aus Sabbenhausen und das große Kornhaus aus Schieder aus, die zwischen 1953 und 1962 auf dem früheren fürstlichen Waschhof westlich vom Haus "Ameide" wiederaufgebaut wurden. Später kamen die Mittelmühle (1973, in situ), der Speicher aus Belle (1976-77) und das Backhaus aus Wülfer-Bexten hinzu. Damit entstand um Haus Ameide und Mittelmühle eine städtebaulich wirkungsvolle "Traditionsinsel" am Burggraben nordwestlich des Detmolder Residenzschlosses. | |||
Die Gebäude im Einzelnen: | |||
'''Zehntscheune aus Sabbenhausen, 1555 (i):''' Abbau 1953, Wiederaufbau 1960-1962, Abteilung Volkskunde (seit 2009: Ausstellung "Mythos Varusschlacht"). Ehemalige Zehntscheune des Klosters Falkenhagen aus Sabbenhausen (Gem. Lügde). Früher Vierständerbau von 11 Fachen (12 Gebinden) mit (späterem) Krüppelwalmdach, verbretterte Giebel auf tief gekehlten Knaggen vorkragend. Hauptständer in Giebeln und Seitenwänden durch Kopfbänder hervorgehoben, Dielenständer mit Kopfbändern in Längs- und Querrichtung. Mitteldiele mit offenen, zweigeschossigen Seitenschiffen. Dielentore an beiden Giebeln mit geraden Torstürzen (ohne Kopfbänder); auf dem vorderen Torsturz Kerbschnittinschrift mit Datierung in spätgotischen Minuskeln: ''Anno dm cccc lv:'' (Anno domini MDCCCCCLV = 1555), in der Mitte eingeschnittenes Malteserkreuz als Zeichen des Kreuzherrenklosters Falkenhagen. | |||
'''Kornhaus aus Schieder, 1587 (d):''' Abbau 1955, Wiederaufbau 1955-58, Abteilungen Kultur- und Landesgeschichte, Volkskunde. Großwirtschaftsgebäude, früheres Schweinehaus mit Zinskornboden auf der landesherrlichen Meierei (Domäne) Schieder (Schieder-Schwalenberg), datiert 1587 (d).<ref>Dendrochronologisches Gutachten von Hans Tisje, Neu-Isenburg vom 4.7.1982, LWL-Freilichtmuseum Detmold.</ref> Sehr großer Fachwerkbau (Länge: 36 m, Breite: 12 m, Höhe: 17 m) von 19 Fachen (20 Gebinden) Länge, zweigeschossiger Unterbau und vorkragender Speicherstock, darüber dreigeschossiges Spitzständerdach mit dreifach auf Stichbalken vorkragenden Giebeln. Inneres Längstragwwerk aus rhythmisch angeordneten, übereinander stehenden Ständern in Unter- und Speichergeschossen und Spitzständern im Dach, verbunden durch kräftige Längsunterzüge, Verstrebung mit gekehlten Kopfbändern in Längs- und Querrichtung. Eindrucksvolle, hallenartige Speicherböden in Speicher- und Dachgeschossen. Eckständer mit geschwungenen Fußstreben, Speicherstock- und Giebelvorkragungen mit reicher Zahnschnittdekoration, keine Inschriften. Dach ursprünglich mit je zwei langen Lüftungsgabunen und Sollingplattendeckung, heute nur noch je eine lange Schleppgaube mit Fenstern und Hohlpfannendeckung. | |||
'''Mittelmühle, 1826:''' 1973 Erwerb und Sanierung (Totalentkernung), Umbau zum "Naturkundehaus". Zweigeschossiger Massivbau mit Krüppelwalmdach nach Entwurf von Landbaumeister Theodor v. Natorp. Neunachsige Fassade mit Mitteleingang, Tür- und Fensteröffnungen mit scharrierten Sandsteingewänden. Türen und Fenster 1973 erneuert, Am Nordgiebel blieb ein bauzeitliches klassizistisches Türblatt erhalten. Keine Inschriften. | |||
'''Kornspeicher aus Belle, 1781:''' 1976 Erwerb und Abbau, 1977 Wiederaufbau aals Museumscafé mit Ausstellungsraum im Obergeschoss (heute als Gaststätte verpachtet). Zweistöckiger Speicher mit kräftigem Gefüge, fischgrätartig übereinander angeordnete Streben an den Ecken und in der Mitte der Fassaden. Reiche Zierschnitzerei am Eingangsportal, Inschriften auf dem Türsturz und dem Rähm des Erdgeschosses, zu Inschriften und Einzelheiten s. [[Ameide 8 (Detmold)]]. | |||
'''Backhaus aus Wülfer-Bexten, 1742:''' 1982 wurde hinter dem Kornhaus aus Schieder ein großes Backhaus vom Hof Lambracht aus Wülfer-Bexten wiedererrichtet, Nutzung zur Ausstellung einer Schmiedewerkstatt (heute: Museumspädagogik). Fachwerkbau von # Fachen (# Gebinden), eingehälste Deckenbalken, zu den Wandständern mit Kopfbändern verstrebt. Im Innern ein großer Backraum, angebauter Backofen am Rückgiebel im Museum durch Schmiedeesse ersetzt. | |||
==Inschriften== | ==Inschriften== | ||
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==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ==Eigentümer*innen, Bewohner*innen== | ||
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1887 | 1887 Eigentümerin: Ressourcengesellschaft; Bewohner*innen: Karl Eickemeyer, Ressourcenwirt.<ref>Adreßbuch der Residenzstadt Detmold. 2. Aufl., Detmold 1887.</ref> | ||
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1904 | 1904 Eigentümerin: Gesellschaft "Ressource"; Bewohner*innen: Carl Eickemeyer, Hoftraiteur.<ref>Adressbuch der Residenzstadt Detmold. 6. Aufl., Detmold 1904.</ref> | ||
1909 | 1909 Eigentümerin: Ressourcen-Gesellschaft; Bewohner*innen: Eickemeyer, Witwe; Eickemeyer, Wirt.<ref>Adreß- und Geschäfts-Handbuch der Residenzstadt Detmold, Detmold 1909.</ref> | ||
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1914 | 1914 Ressource-Gesellschaft; Antonie Eickemeyer, Witwe; Gustav Eickemeyer, Wirt.<ref>Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1914.</ref> | ||
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1918 | 1918 Gesellschaftshaus; August Büxe, Gastwirt.<ref>Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1918.</ref> | ||
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1926 | 1926 Gesellschaftshaus; Hermann Geller, Wirt; Werner Dickmann, Gehilfe.<ref>Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926.</ref> | ||
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Aktuelle Version vom 17. September 2026, 23:45 Uhr
| Ameide 4 (Detmold) | |
|---|---|
| Ortsteil | Detmold (Kernstadt) |
| Straße | Ameide (Detmold) |
| Hausnummer | 4 |
| Karte | |
| Quartiersnummer | D 086 |
| Adressbuch von 1901 | Ja |
| Gemeinde | Detmold |
| Straße | Bismarckstraße |
| Hausnummer | 004 |
"Haus Ameide", 1871–1873 erbautes Gesellschaftshaus des Vereins Ressource, ehem. Quartier-Nr. D 86, dann Bismarckstraße 4. Seit 1953 beherbergt das Gebäude das Lippische Landesmuseum Detmold, das in den folgenden Jahren um mehrere translozierten Fachwerkbauten und das Bestandsgebäude der Mittelmühle erweitert wurde.




Geschichte
Die Gesellschaft Ressource wurde 1825 gegründet und 1831 als förmlicher Verein eingetragen.[1] Vereinslokale waren zunächst der Gastwirt Seiff in der Neustadt 12, ab 1827 der Gasthof zur Stadt Frankfurt in der Langen Straße 65. 1831 erfolgte der Umzug in den Neubau des Rathauses. 40 Jahre später entschloss sich die Gesellschaft Ressource zum Bau eines eigenen Gesellschaftshauses. Dazu schloss sie 1872 mit der Fürstlichen Rentkammer einen Erbpachtvertrag über das Grundstück in der Mühlenwiese an der Ameide[2] und kündigte die Räume im Rathaus zu Michaelis (29. Sept.) 1873.
Am 25. Juli 1872 Grundsteinlegung, am 21. Dezember 1872 Richtfest und 1. Oktober 1873 Einweihung des neuen Hauses.[3]
Am 26. September 1883 brannte das Gebäude völlig aus und wurde bis 1884 wieder aufgebaut.
1916 bis 1954 trug der Verein den Namen "Verein Gesellschaftshaus".[4]
Der erhebliche Mitgliederschwund zu Beginn der NS-Diktatur legte den Verkauf des Hauses nahe, das die Wehrmacht 1935 als Kasino für 130.000 RM erwarb.[5] Der Verein erwarb stattdessen das Haus Allee 11 für 45.000 RM.[6]
Seit 1953 Sitz des Lippischen Landesmuseums, [7] [8]. Ab 1953 wurde das Museum um mehrere translozierte historische Fachwerkbauten zu einer "Traditionsinsel" am Detmolder Burggraben erweitert: Kornhaus der Domäne Schieder, 1587 (d), Abbau 1955, Aufbau 1955-58; Zehntscheune des Klosters Falkenhagen aus Sabbenhausen, 1555 (i), Abbau 1953, Aufbau 1960-62; Speicher vom Lakehof bei Belle, 1780/81 (i), Abbau 1976, Aufbau 1977; Backhaus aus Wülfer-Bexten, 1742, Aufbau 1972. 1973 wurde die frühere Mittelmühle in den Museumskomplex einbezogen und für die Abteilung Naturkunde ("Naturkundehaus") umgebaut. Zwischen dem Haus Ameide und der Zehntscheune aus Sabbenhausen wurde 1962 ein moderner, eingeschossiger Verbindungsbau mit Eingangsbereich, Vortragssaal und Ausstellungsräumen errichtet; dieser Bau wurde 1999 nach einem Architekturwettbewerb durch einen großen Neubau mit Eingangsbereich und ober- und unterirdischen Ausstellungsräumen an einem "Museumsgraben" ersetzt (Schuster & Schuster Architekten, Düsseldorf).
1973 wurde das Gebäude Aameide 4 in die Baudenkmalliste des Landeskonservators aufgenommen und am 17.5.1985 in die Denkmalliste der Stadt Detmold, Nr. A 096. Auch die translozierten Fachwerkbauten des Lippischen Landesmuseums und die frühere Mittelmühle wurden am 17.5.1985 in die Denkmalliste der Stadt Detmold eingetragen: "Spieker" (Ameide 8), Denkmal-Nr. 90; Kornhaus, Denkmal-Nr. 91; Zehntscheune aus Sabbenhausen, Denkmal-Nr. 92, Mittelmühle, Denkmal-Nr. 93.
Gebäude
Haus Ameide: Dreigeschossiger, repräsentativer villenartiger Bau von 1872 (Wiederaufbau nach Brand 1883), das obere Geschoss jedoch nur als Mezzanin ausgebildet. Flach geneigtes Walmdach mit Schieferdeckung. Haupteingang im Süden mit einem Vordach auf vier kannelierten Pfeilern. Die Fassade hier dreiachsig, die Mittelachse als Risalit mit flachem Dreieckgiebel.
Die West- und Ostseite mit sieben Fensterachsen, davon je drei als Mittelrisalit, im Erdgeschoss Putzquaderung, im Obergeschoss die Risalite mit kannelierten Pilastern mit korinthischen Kapitellen, die seitlichen Fenster im Osten mit flachen Dreieckgiebeln, im Westen mit geradem Gebälk überdeckt. Fensteröffnungen der Westseite verändert. Die Nordseite schmuckloser ohne Risalit, drei Fensterachsen, im Obergeschoss mit flachen Dreieckgiebeln.
Das Gebäude beherbergt seit 1953 die Abteilung Ur- und Frühgeschichte und die Verwaltung des Lippischen Landesmuseums.
Erweiterungsbauten des Lippischen Landesmuseums ab 1953:
Für die Erweiterung des Lippischen Landesmuseums plante der damalige Abteilungsleiter für die kulturgeschichtlichen Sammlungen, Wilhelm Hansen (1911-1986, Museumsdirektor 1958-1976) die Wiedererrichtung von mehreren historisch bedeutsamen Fachwerkbauten aus Lippe. Mit Unterstützung von Landeskonservator Karl Vollpracht wählte Hansen die Zehntscheune aus Sabbenhausen und das große Kornhaus aus Schieder aus, die zwischen 1953 und 1962 auf dem früheren fürstlichen Waschhof westlich vom Haus "Ameide" wiederaufgebaut wurden. Später kamen die Mittelmühle (1973, in situ), der Speicher aus Belle (1976-77) und das Backhaus aus Wülfer-Bexten hinzu. Damit entstand um Haus Ameide und Mittelmühle eine städtebaulich wirkungsvolle "Traditionsinsel" am Burggraben nordwestlich des Detmolder Residenzschlosses.
Die Gebäude im Einzelnen:
Zehntscheune aus Sabbenhausen, 1555 (i): Abbau 1953, Wiederaufbau 1960-1962, Abteilung Volkskunde (seit 2009: Ausstellung "Mythos Varusschlacht"). Ehemalige Zehntscheune des Klosters Falkenhagen aus Sabbenhausen (Gem. Lügde). Früher Vierständerbau von 11 Fachen (12 Gebinden) mit (späterem) Krüppelwalmdach, verbretterte Giebel auf tief gekehlten Knaggen vorkragend. Hauptständer in Giebeln und Seitenwänden durch Kopfbänder hervorgehoben, Dielenständer mit Kopfbändern in Längs- und Querrichtung. Mitteldiele mit offenen, zweigeschossigen Seitenschiffen. Dielentore an beiden Giebeln mit geraden Torstürzen (ohne Kopfbänder); auf dem vorderen Torsturz Kerbschnittinschrift mit Datierung in spätgotischen Minuskeln: Anno dm cccc lv: (Anno domini MDCCCCCLV = 1555), in der Mitte eingeschnittenes Malteserkreuz als Zeichen des Kreuzherrenklosters Falkenhagen.
Kornhaus aus Schieder, 1587 (d): Abbau 1955, Wiederaufbau 1955-58, Abteilungen Kultur- und Landesgeschichte, Volkskunde. Großwirtschaftsgebäude, früheres Schweinehaus mit Zinskornboden auf der landesherrlichen Meierei (Domäne) Schieder (Schieder-Schwalenberg), datiert 1587 (d).[9] Sehr großer Fachwerkbau (Länge: 36 m, Breite: 12 m, Höhe: 17 m) von 19 Fachen (20 Gebinden) Länge, zweigeschossiger Unterbau und vorkragender Speicherstock, darüber dreigeschossiges Spitzständerdach mit dreifach auf Stichbalken vorkragenden Giebeln. Inneres Längstragwwerk aus rhythmisch angeordneten, übereinander stehenden Ständern in Unter- und Speichergeschossen und Spitzständern im Dach, verbunden durch kräftige Längsunterzüge, Verstrebung mit gekehlten Kopfbändern in Längs- und Querrichtung. Eindrucksvolle, hallenartige Speicherböden in Speicher- und Dachgeschossen. Eckständer mit geschwungenen Fußstreben, Speicherstock- und Giebelvorkragungen mit reicher Zahnschnittdekoration, keine Inschriften. Dach ursprünglich mit je zwei langen Lüftungsgabunen und Sollingplattendeckung, heute nur noch je eine lange Schleppgaube mit Fenstern und Hohlpfannendeckung.
Mittelmühle, 1826: 1973 Erwerb und Sanierung (Totalentkernung), Umbau zum "Naturkundehaus". Zweigeschossiger Massivbau mit Krüppelwalmdach nach Entwurf von Landbaumeister Theodor v. Natorp. Neunachsige Fassade mit Mitteleingang, Tür- und Fensteröffnungen mit scharrierten Sandsteingewänden. Türen und Fenster 1973 erneuert, Am Nordgiebel blieb ein bauzeitliches klassizistisches Türblatt erhalten. Keine Inschriften.
Kornspeicher aus Belle, 1781: 1976 Erwerb und Abbau, 1977 Wiederaufbau aals Museumscafé mit Ausstellungsraum im Obergeschoss (heute als Gaststätte verpachtet). Zweistöckiger Speicher mit kräftigem Gefüge, fischgrätartig übereinander angeordnete Streben an den Ecken und in der Mitte der Fassaden. Reiche Zierschnitzerei am Eingangsportal, Inschriften auf dem Türsturz und dem Rähm des Erdgeschosses, zu Inschriften und Einzelheiten s. Ameide 8 (Detmold).
Backhaus aus Wülfer-Bexten, 1742: 1982 wurde hinter dem Kornhaus aus Schieder ein großes Backhaus vom Hof Lambracht aus Wülfer-Bexten wiedererrichtet, Nutzung zur Ausstellung einer Schmiedewerkstatt (heute: Museumspädagogik). Fachwerkbau von # Fachen (# Gebinden), eingehälste Deckenbalken, zu den Wandständern mit Kopfbändern verstrebt. Im Innern ein großer Backraum, angebauter Backofen am Rückgiebel im Museum durch Schmiedeesse ersetzt.
Inschriften
Eigentümer*innen, Bewohner*innen
1884 Eigentümerin: Ressourcengesellschaft; Bewohner*innen: Carl Eickemeyer, Ressourcenwirt.[10]
1887 Eigentümerin: Ressourcengesellschaft; Bewohner*innen: Karl Eickemeyer, Ressourcenwirt.[11]
1891 Eigentümerin: Ressource-Gesellschaft; Bewohner*innen: Eickemeyer, Ressourcewirt.[12]
1894 Eigentümerin: Ressourcen-Gesellschaft; Bewohner*innen: Karl Eickemeyer, Ressourcenwirt.[13]
1897 Eigentümerin: Ressourcen-Gesellschaft; Bewohner*innen: Karl Eickemeyer, Hoftraiteur.[14]
1901 Eigentümerin: Gesellschaft "Ressource"; Bewohner*innen: Carl Eickemeyer, Hoftraiteur.[15]
1904 Eigentümerin: Gesellschaft "Ressource"; Bewohner*innen: Carl Eickemeyer, Hoftraiteur.[16]
1909 Eigentümerin: Ressourcen-Gesellschaft; Bewohner*innen: Eickemeyer, Witwe; Eickemeyer, Wirt.[17]
1912 Eigentümerin: Gesellschaft Ressource; Bewohner*innen: Eickemeyer, Wirt; Eickemeyer, Witwe.[18]
1914 Ressource-Gesellschaft; Antonie Eickemeyer, Witwe; Gustav Eickemeyer, Wirt.[19]
1916 Ressource-Gesellschaft; August Büxe, Gastwirt.[20]
1918 Gesellschaftshaus; August Büxe, Gastwirt.[21]
1920 Gesellschaftshaus; August Büxe, Gastwirt.[22]
1923 Gesellschaftshaus; August Büxe, Gastwirt.[23]
1925 Gesellschaftshaus; Hermann Geller, Wirt.[24]
1926 Gesellschaftshaus; Hermann Geller, Wirt; Werner Dickmann, Gehilfe.[25]
Literatur
Bruno Kirchhof, Die Ressource zu Detmold. Vereinsgeschichte, Satzung und Mitgliederverzeichnis, Detmold 1954.
Hanns Peter Fink, 175 Jahre Ressource. Aus der Geschichte der Ressource zu Detmold, Detmold 2000.
Hanns Peter Fink, 175 Jahre Ressource zu Detmold - verfolgt an Hand der Versammlungsstätten des Vereins, in: Heimatland Lippe 94 (2001), S.124–127..
Walter Stich, Aufstieg, Krise, Kontinuität. Der Weg der Bürgerlichen Gesellschaft im Spiegel der 170jährigen Geschichte der Detmolder Ressource, in: Heimatland Lippe 89 (1996), S. 137–144.
Quellen
LAV NRW OWL, D 107 D Ressource, 1828–1924.
LAV NRW OWL, D 73 / Allgemeine Kartensammlung, Nr. 4/7300: Situationsplan zum Bau eines neuen Ressource-Gebäudes in Detmold, 1871.
LAV NRW OWL, L 83 B / Lippische Justizkanzlei, Jüngere Prozessakten (1801–1879), Nr. Nr. 116: Bestätigung von Kauf- und Tauschverträgen, 1868–1872, enthält u. a. Abtretung eines Teils der Mühlenwiese in Detmold an die Ressource-Gesellschaft zur Erbauung eines Gesellschaftsgebäudes.
LAV NRW OWL, L 80.20 / Regierung/Landesregierung Lippe - Domänenabteilung, Nr. 394: Ausweisung eines Bauplatzes zum Neubau des Gebäudes der Ressource-Gesellschaft in der Mühlenwiese, 1871–1887, 1914–1948, enthält auch Verkauf an die Heeresstandortverwaltung 1935.
Statuten der Ressourcen-Gesellschaft in Detmold, beschlossen in der General-Versammlung den 30. März 1880, Detmold 1880 (LLB, LH 372a)
Weblinks
https://lippisches-landesmuseum.de
Einzelnachweise
- ↑ Hanns Peter Fink, 175 Jahre Ressource. Aus der Geschichte der Ressource zu Detmold, Detmold 2000, S. 9–12.
- ↑ LAV NRW OWL, L 83 B Nr. 116.
- ↑ Bruno Kirchhof, Die Ressource zu Detmold. Vereinsgeschichte, Satzung und Mitgliederverzeichnis, Detmold 1954.
- ↑ Hanns Peter Fink, 175 Jahre Ressource. Aus der Geschichte der Ressource zu Detmold, Detmold 2000, S. 83–86.
- ↑ LAV NRW OWL, L 80.20 Nr. 394.
- ↑ Hanns Peter Fink, 175 Jahre Ressource. Aus der Geschichte der Ressource zu Detmold, Detmold 2000, S. 96–100.
- ↑ LAV NRW Abteilung Rheinland, NW 0094, Nr. 2635: Zustimmung zur Veräußerung des bundeseigenen Grundstücks "Haus Ameide" in Detmold, 1957.
- ↑ LAV NRW Abteilung Rheinland, NW 0060, Nr. 242: Neubau eines Lippischen Landesmuseums in Detmold, 1950–1955.
- ↑ Dendrochronologisches Gutachten von Hans Tisje, Neu-Isenburg vom 4.7.1982, LWL-Freilichtmuseum Detmold.
- ↑ Adreßbuch der Residenzstadt Detmold, Detmold 1884.
- ↑ Adreßbuch der Residenzstadt Detmold. 2. Aufl., Detmold 1887.
- ↑ Adreß- und Geschäfts-Handbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1891.
- ↑ Adressbuch der Residenzstadt Detmold. 4. Aufl., Detmold 1894.
- ↑ Adreßbuch der Residenzstadt Detmold. 5. Aufl., Detmold 1897.
- ↑ Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901.
- ↑ Adressbuch der Residenzstadt Detmold. 6. Aufl., Detmold 1904.
- ↑ Adreß- und Geschäfts-Handbuch der Residenzstadt Detmold, Detmold 1909.
- ↑ Adreß- und Geschäfts-Handbuch der Residenzstadt Detmold, Detmold 1912.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1914.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1916.
- ↑ Adreßbuch der Fürstlichen Residenzstadt Detmold, Detmold 1918.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1920.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1923.
- ↑ Adreßbuch der Landeshauptstadt Detmold, Detmold 1925.
- ↑ Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926.
Autor*innen
Joachim Kleinmanns, Heinrich Stiewe
Seitenhistorie
Seite erstellt am 29.01.2024 von Joachim Kleinmanns
Letzte Änderung am: 17.09.2026 von Heinrich Stiewe