Brokhauser Straße 77 (Brokhausen)

Brokhauser Straße 77 (Brokhausen)
OrtsteilBrokhausen
StraßeBrokhauser Straße (Brokhausen)
Hausnummer77
Karte
Adressbuch von 1901Ja
GemeindeBrokhausen
Hausnummer009

Mesch, vor 1577 gegründete Kleinkötterstätte, alte Kolonatsnummer Brokhausen Nr. 9. Wohnhaus 1577 erbaut, 1962 Abbau für das Westfälische Freilichtmuseum Detmold. Das Haus stand am Broker Bach südlich des Neubaus Brokhauser Straße 77.

Brokhausen, Stätte Mesch Nr. 9. Lageplan nach Urkataster, 1880. Zeichnung: Stiewe 1980

Geschichte

Im Salbuch der Vogtei Detmold wird das Kolonat um 1617 unter Nr. 193 aufgeführt: "Mesch Jobst (Egeling Dep) M. G. H. eigen; I. G. Burgvestgelt 9 Rtl.; Landschatz 10 Gr.; 1 Hun. Dienet M. G. H. den Hoppenploichers gleich als nomblich Brief zu tragen, Flachs arbeiten, in dem Houv und Ernten helfen."[1] 1782 heißt es im Salbuch Nr. 9 Mesch, ein Hoppenplöcker, ist gnädigster Landesherrschaft leibeigen, entrichtet derselben Weinkauf und Sterbfall, besitzt an Gebäuden: Wohnhaus, Leibzucht, Backhaus.[2]

Die Leibzucht wurde 1954 abgebrochen, der Schoppen 1958.[3] Teilrekonstruktion der Herdstelle mit Waschlucht und Kammer im Lippischen Landesmuseum. 1962 Abbau des Wohnhauses von 1577 für einen Wiederaufbau im Westfälischen Freilichtmuseum Bäuerlicher Kulturdenkmale in Detmold (heute: LWL-Museum Hellerlecht Detmold). Nach Konzeptänderung Abgabe des Hauses 2002 zum privaten Wiederaufbau, der in Dörentrup-Humfeld erfolgte.

Gebäude

 
Haus Mesch, Brokhausen Nr. 9, Foto: Heinrich Schäfer, 1957 (LLB, BA DT-59-26)
 
Haus Mesch, Brokhausen Nr. 9, Torbogen, Foto: August Meier-Böke, 1955 (LLB, BA DT-59-22)

Zweiständer-Fachwerkbau von 1577 (i), 4 Fache lang mit eingezogenem zweigeschossigem Kammerfach des 18. Jahrhunderts. Verbretterter Giebel, auf Hakenbalken mit gekehlten Taubandknaggen vorkragend. Die tragenden Hauptständer im Giebel sind durch beidseitige Kopfbänder hervorgehoben, auch die Ständer der niedrigen Längswände der Stallabseiten (Kübbungen) sind mit bogenförmig gereihten Kopfbändern versehen. Das linke Seitenschiff enthielt möglicherweise eine Zimmermannswerkstatt, im rechten Seitenschiff befanden sich ein Kuhstall, Futterkammer, Schlafkammer und eine Waschlucht mit Ausgussstein. Offenes Herdfeuer am Ende der hohen Diele (Rekonstruktion im Lippischen Landesmuseum), im später angebauten Kammerfach des 18. Jahrhunderts Stube und Schlafkammer. Ein Gefügemodell des Hauses befindet sich im Lippischen Landesmuseum Detmold.

Vor dem linken Seitenschiff war ein jüngerer Stallvorbau des 19. Jahrhunderts vorgesetzt, links davor stand die Leibzucht.[4]

1887 gab es auf der Stätte Brokhausen Nr. 9 laut Gebäudesteuerrolle drei Gebäude: Wohnhaus, Leibzucht und Schoppen.[5]

Inschriften

Torbogen:

ANNO . DOMI . 1.5.7.7 . MES . HANS

Eigentümer*innen, Bewohner*innen

1577 Hans Mesch [i].

Um 1617 Jobst Mesch.

1782 Mesch.

1875 durch Erbschaft an Heinrich Mesch.[6]

1887 Heinrich Mesch, Landwirt, nachfolgende Frl. Marhta Mesch.[7]

1901 Heinrich Mesch, Landwirt; Karl Sprick, Ziegler.[8]

1926 Heinrich Mesch, Leibzüchter; Eduard Meier, Landwirt.[9]

Literatur

Wilhelm Hansen, Das Lippische Landesmuseum, Detmold 1972, S. 23 (Aufmaß), S. 84, 87, 176 und 180. Wilhelm Hansen, Hauswesen und Tagewerk im alten Lippe. Ländliches Leben in vorindustrieller Zeit, Münster 1982, S. 68-71. Stefan Baumeier, Westfälische Bauernhäuser. Vor Bagger und Raupe gerettet, Bielefeld 1983, S. 38 f.

Quellen

LAV NRW OWL, L 101 C I (Lippische Salbücher und Katasterbücher), Nr. 37, Salbuch der Vogtei Detmold von 1782. LAV NRW OWL, L 101 C I (Lippische Salbücher und Katasterbücher), Nr. 54: Salbuch der Vogtei Detmold von 1854. LAV NRW OWL, L 101 C IV Nr. 29: Gebäudesteuerrolle des Bauerschaftsbezirks Brokhausen, 1887. LAV NRW OWL, L 101 C IV Nr. 30: Gebäudesteuerrolle des Bauerschaftsbezirks Brokhausen, 1890.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Herbert Stöwer und Fritz Verdenhalven, Salbücher der Grafschaft Lippe von 1614 bis etwa 1620, Münster/Westf. 1969, S. 18 u. 39, S. 21 f.
  2. LAV NRW OWL, L 101 C I (Lippische Salbücher und Katasterbücher), Nr. 37, Salbuch der Vogtei Detmold von 1782, S. 1660.
  3. LAV NRW OWL, L 101 C IV Nr. 30: Gebäudesteuerrolle des Bauerschaftsbezirks Brokhausen, 1890.
  4. Wilhelm Hansen, Hauswesen und Tagewerk im alten Lippe. Ländliches Leben in vorindustrieller Zeit, Münster 1982, S. 68.
  5. LAV NRW OWL, L 101 C IV Nr. 29: Gebäudesteuerrolle des Bauerschaftsbezirks Brokhausen, 1887.
  6. LAV NRW OWL, L 101 C I (Lippische Salbücher und Katasterbücher), Nr. 54: Salbuch der Vogtei Detmold von 1854, S. 2182 f.
  7. LAV NRW OWL, L 101 C IV Nr. 29: Gebäudesteuerrolle des Bauerschaftsbezirks Brokhausen, 1887.
  8. Adressbuch für das Fürstenthum Lippe, Detmold 1901 Digitalisat, S. 205.
  9. Adreßbuch des Landes Lippe, Detmold 1926 Digitalisat, S. 671.

Autor*innen

Joachim Kleinmanns

Seitenhistorie

Seite erstellt am 26.07.2026 von Joachim Kleinmanns

Letzte Änderung am: 26.07.2026 von Heinrich Stiewe